Die Zeitschrift Hochparterre führt ihren Stammtisch Städtebau anlässlich der Ankunft von Klimaspuren in Uster durch. Ort des Anlasses ist der Pavillon am Herterweiher im Zellwegerpark. Hochparterre-Redaktorin Rahel Marti leitet das Gespräch.

Zu Beginn begrüssen SP-Stadtpräsidentin Barbara Thalmann und Zoe Stadler von der Klimaspuren-Kerngruppe die Anwesenden. Dann übernimmt die Moderatorin das Wort: Uster bereite einen neuen kommunalen Richtplan und die Revision der Bau- und Nutzungsordnung vor. Was wäre dabei wesentlich für die Klimaanpassung und für den Klimaschutz? Wie könnte eine Kleinstadt den Klimaschutz in der Stadtplanung und im Städtebau verankern, was unterscheidet sie von einer Grossstadt?

Einführend stellt Marc Zaugg Stern vom Planungsdachverband Zürich und Umgebung RZU die Webplattform “Klimaanpassung und Innenentwicklung” vor, allerdings ohne dabei speziell auf Uster einzugehen. Die Plattform besteht aus einem Grundlagenteil und einer Beispieledatenbank: https://rzu.ch/news-publikationen/klimaanpassung-publikation-datenbank

Sieben Kernbotschaften zur klimaangepassten Innenentwicklung fassen das Wichtigste zusammen:

  1. Klimaanpassung und Innenentwicklung sollten zusammen gedacht werden
  2. Die klimaangepasste Weiterentwicklung des «Bestands» ist zentral
  3. Stadtbäume haben oberste Priorität
  4. Es braucht einen Paradigmenwechsel beim Umgang mit dem Wasser
  5. Die Klimaanpassung entscheidet sich auch im Untergrund
  6. Städte und Gemeinden können die klimaangepasste Innenentwicklung bereits jetzt umsetzen
  7. Die klimaangepasste Innenentwicklung ist eine Gemeinschaftsaufgabe

Anschliessend diskutieren Nadine Kaspar, Stadtplanung Stadt Uster; Anke Domschky, Landschaftsarchitektin, Dozentin Institut Urban Landscape ZHAW; Kaspar Thalmann, Architekt, Uster; Monika Hungerbühler, Expertin für Fuss- und Veloverkehr, EWP, Greifensee; Angelus Eisinger, Direktor RZU, Zürich.

In der Diskussion geht es zunächst weniger um den Klimaschutz als vielmehr um allgemeinere stadt- und verkehrsplanerische Fragen. Die Vorteile der Kleinstadt gegenüber der Grossstadt werden aufgelistet: Urbanität trotz Kleinheit, kurze Wege, Velo- und Fussverkehr, einfachere Zusammenarbeit der verschiedenen Kreise und Verwaltungen, Nähe von Wohnen, Arbeiten und Bildung, Nähe zum Grün. Debattiert wird über mehr Velowege und Fussgängerstreifen sowie menschenfreundlichere Verkehrskreisel.

Einzelne Redner*innen versuchen den Bezug zum Klimaschutz herzustellen: Anke Domschky verweist auf die Visionen einer autofreien Stadt Uster, einer Velostadt Uster. Stattdessen werde heute die Stadt vom Autoverkehr dominiert, dieses Problem sollte grundsätzlich angegangen werden. Kaspar Thalmann möchte den Autoverkehr vermehrt auf die Hauptachsen verlagern, was aber durch die Politik der anderen Gemeinden in der Region und des Kantons derzeit noch nicht gesehen werde. Monika Hungerbühler wünscht sich eine bessere Vernetzung der verschiedenen Bemühungen für den Fuss- und Veloverkehr. Aus ihrer Sicht geht es nicht nur um einzelne Projekte, sondern um den gesamten Prozess. Kleinstädte besässen Spielraum, konkrete Ansätze gemeinsam mit der Bevölkerung umzusetzen. Mit Blick auf den Klimaschutz fordert Angelus Eisinger von der Politik Leadership und Visionen. Er empfiehlt mehr darüber nachdenken, welche Anreizmöglichkeiten wir haben, um die Bevölkerung für die Vision der autoarmen, klimagerechten Stadt zu gewinnen.

Fazit aus Sicht Klimaspuren:

Die Stadt Uster lehnte 2020 die Ausrufung des Klimanotstandes ab und verwies auf den Massnahmenplan Klima. Allerdings nahm an diesem Abend niemand Bezug auf diesen Klimaplan, in dem immerhin zu lesen ist, dass sich die Stadt Uster im direkten kommunalen Einflussbereich für strengere Ziele einsetzt als der Bundesrat für die gesamte Schweiz. Bei den kommunalen Gebäuden soll in Uster Netto Null bis 2040 erreicht werden, bei den kommunalen Fahrzeugen sogar bis 2030. Eine Reihe von weiteren Massnahmen sollen zudem zu einer starken Reduktion der gesamten CO2-Emissionen in Uster führen: https://www.uster.ch/_docn/2584403/536_Beilage_Massnahmenplan_Klima.pdf

Im Stadtrat von Uster besteht eine rot-grüne Mehrheit; die Stimmbürgerinnnen und Stimmbürger von Uster haben das CO2-Gesetz mit über 58% ja angenommen. An vielen Massnahmen mit positiven Auswirkungen für das Klima wird bereits gearbeitet. Es bestünde also für Verwaltung und Politik durchaus die Möglichkeit, die eigene Klimapolitik aktiver nach aussen zu vertreten. Unter breitem Einbezug von Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Hier ist klimapolitische Leadership gefordert.


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